Das Umfeld der Banken und Finanzdienstleister befindet sich im Umbruch. Die Bankenkrise und das Eingreifen der öffentlichen Hand haben veränderte Bedingungen geschaffen. Nichts aber wiegt schwerer für den Erfolg als das Vertrauen der Kunden. Wo Medien Verunsicherung befördern, hilft nur eine vertrauensvolle und enge Beziehung zwischen dem Finanzunternehmen und seinen Kunden. Hier zeichnet sich jedoch ein starker Nachholbedarf im Markt ab. Reines Kundenkontakt-Management reicht schon lange nicht mehr aus: Gefragt sind wohlüberlegte Strategien, die Nähe zum Kunden schaffen. Qualifiziertes CRM bedarf der überzeugten Begeisterung, es spielt sich ab in den Köpfen von Management und Mitarbeitern, es umfasst sämtliche Kundenprozesse – die Software ist dabei im Grunde nur Mittel zum Zweck.
Worin liegt die Qualität einer guten Beziehung? Eine Beziehung ist dann gut, wenn sich der Kunde angesprochen und mit seinen spezifischen Bedürfnissen wahrgenommen und aufgehoben fühlt – ob in der Filiale oder am Telefon. Dazu zählt zum Beispiel eine proaktive Ansprache, wenn neue Produkte für den Kunden lohnend sind – oder ein zeitnahes, beruhigendes Feed-back der Bank über alle Kommunikationskanäle und vor allem persönlich, wenn die Zeiten turbulent werden. Für intensive Betreuung gibt es viele Spielräume. Sie werden durch ein CRM-System transparent, das beispielsweise sofort darüber informiert, wenn ein Kunde eine Portfolio-Entscheidung getroffen hat, die nicht zu seiner ursprünglich angegebenen Risikobereitschaft passt. Gerade im Bereich der MIFID-Vorgaben birgt CRM ein entscheidendes Potential zur Automatisierung. Die Nachweispflicht der Kundenkontakte, die Kundenkategorisierung und das Beschwerdemanagement sind ohne sinnvolle IT-Unterstützung und verzahnte Prozesse im Bereich der ganzheitlichen Finanzplanung heute nicht mehr effizient zu stemmen. Auch flankierende Instrumente wie Data Mining können nicht auf ein basales CRM-System verzichten, das die Prozesse rund um Kundenmanagement, Kontakthistorie und Kampagnenorganisation über alle Medien und Kommunikationskanäle hinweg abdeckt.
Neue Geschäftsmodelle sind neue Herausforderungen. Die geplante Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank oder das Andocken der Mitsubishi-Bank an Morgan Stanley stehen für einen Trend. Alte Geschäftsmodelle werden verabschiedet und rasante Kurswechsel bei den Zielgruppen vollzogen. Nur durch maßgeschneidertes CRM lässt sich der Raum zwischen bestehenden Kundengruppen und neuen Kundensegmenten überbrücken. Es gilt, ihre Erwartungen und Gewohnheiten zu erkennen und ihnen adäquat zu begegnen. Die flexible Adjustierung an neue Geschäftsmodelle und damit an neue Kundenprozesse ist damit ebenso wie in der Industrie nun auch in der Finanzbranche ein Kompetenzthema.
Ohne den Kunden geht es nicht: In dieser Erkenntnis liegt Herausforderung und Chance zugleich. Professionelles Kundenbindungs-Management hat eine Vielzahl von Synergie-Effekten im Gefolge. Zufriedene Kunden haben nicht nur eine deutlich höhere Toleranz im Fehlerfall, sondern machen eine Strategie wie das Empfehlungsmanagement erst möglich. Wo die Glaubwürdigkeit der Werbung sinkt, wird die Word-of-Mouth-Botschaft ein essentielles Gut.